Der Perkussionsrevolver

Was ist ein Perkussionsrevolver ?
Unter Perkussionsrevolver versteht man die ersten Revolver, die den heutigen Revolvern in der Funktion (und bis zu einem gewissen Grade auch im Aussehen) gleichen: Beim Spannen des Hahnes wird die Trommel um eine Position weiter gedreht und arretiert, so daß eine neue Kammer hinter den Lauf kommt.  Die Perkussionsrevolver hatten ihre große Ära in der Zeit nach der Erfindung der Perkussionszündung und vor der massenhaften Einführung der modernen Einheitspatronen. Dies war die Zeit zwischen 1836 und etwa 1870.

Samuel Colt gilt als der erste, der Perkussionsrevolver in Massen fertigte. Die von ihm erfundene Bauform wird im sportlichen Schiessen heute nicht mehr sehr oft verwendet, weil der Rahmen der Colt-Perkussionsrevolver oberhalb der Trommel offen ist. Das wird gemeinhin als Mangel empfunden, weil diese Bauform als weniger stabil gilt. Lauf, Griffstück und Trommel können nach dem Lösen eines Haltekeils voneinander getrennt werden. Beim Zusammenbau kann es vorkommen, daß der Keil etwas tiefer oder etwas flacher hineingeschoben wird, als vorher. Das soll wiederum Einfluß auf die Trefferlage haben.

Colt Modell 1851 Navy

Stärker haben sich beim Sportschiessen die Perkussionsrevolver-Modelle von Remington und Rogers & Spencer durchgesetzt. Sie haben, wie auch die heutigen Revolver, einen geschlossenen Rahmen, der die Trommel ringsherum umschließt. Diesen Rahmen wird bessere Stabilität nachgesagt. Die Perkussionsrevolver von Remington waren in der Ära der Perkussionsrevolver ähnlich verbreitet, wie die von Colt. Vom Roges & Spencer wurden hingegen überhaupt nur 5.000 Stück gebaut, die komplett an die US-Armee verkauft, aber nie an die Truppe ausgegeben wurden. Sie wurden von der Entwicklung überholt, denn die US-Armee wählte nur wenig später einen Patronenrevolver, den COLT SAA (den sogenannten Peacemaker, den jeder von Westernfilmen kennt), als Ordonnanzwaffe.

Remington New Model Army 1863

Ob nun Colt, Remington, Rogers & Spencer, Le Mat oder Spiller & Burr: Die Perkussionsrevolver waren "single-action" -Revolver. Vor der Schussabgabe musste der Hahn jedesmal von Hand gespannt werden. Die einziege bekannte Ausnahme ist wahrscheinlich der Perkussionsrevolver Ebenezer Starr, der jedoch höchst selten anzutreffen war. Auf heutigen Wettkämpfen werden nur sehr selten alte Originalwaffen verwendet. Fast immer wird mit "Repliken" geschossen, also mit neu hergestellten Nachbauten der alten Originale. Hier gibt es hinsichtlich Preis und Qualität ziemliche Unterschiede.

Was den Perkussionsrevoöver neben dem Aufbau der Trommel von seinen modernen Pendants unterscheidet, ist ein Hebelmechanismus: Die meisten Perkussionsrevolver verfügen über eine eingebaute "Kugelpresse". Dieser Kugelsetzer besteht aus einem Hebel an der Unterseite des Laufes. Wenn er nach unten geschwenkt wird, bewegt er einen Setzstempel an der vorderen, unteren Seite durch den Rahmen in die unterste Trommelbohrung hinein. Mit der Hebelübersetzung kann eine ziemliche Kraft erzeugt werden. Dies ist auch notwendig, weil beim Perkussionsrevolver die Kugeln immer etwas größer gewählt werden, als die Trommelbohrungen. Haben die Trommelbohrungen beispielsweise einen Durchmesser von .450" oder .451", nimmt man Kugeln mit dem Durchmesser .454". Bei einer Bohrung von .454 werden Kugeln mit einem Durchmesser von .457 verwendet. Nur so erreicht man, daß die Kugeln ausreichend fest in der Trommel sitzen. Es gilt als Zeichen für den richtigen Kugeldurchmesser, wenn beim Einpressen der Kugel ein dünner Ring aus Blei vom "Äquator" der Kugel abgeschert wird.


Der Perkussionsrevolver unterscheidet sich vom modernen Revolver hauptsächlich dadurch, daß in die Trommel (auch "Zylinder" genannt) keine Patronen hineinkommen. Vielmehr sind die Bohrungen in der Trommel hinten fast vollständig geschlossen. Lediglich ein dünner Zündkanal läßt den Zündstrahl und den Druck eines Zündhütchens durch. Die Bohrung der Trommel wird von der Vorderseite mit Schwarzpulver und einer Bleikugel geladen. Der Zündkanal ist durch ein sogenanntes "Piston" gebohrt, welches - ähnlich einer Zündkerze - hinten in der Trommel an der Rückseite der Pulverkammer eingeschraubt ist. Auf der linken Seite ist die Trommel eines Perkussionsrevolvers von schräg hinten zu sehen. Deutlich sichtbar die Bohrung für die Trommeachse in der Mitte, die Pistons und die Ausnehmungen für den Transport und die Arretierung der Trommel beim Vorgang des Spannens.

Hier ist die gleiche Trommel von vorne zu sehen. Um die Bohrung für die Trommelachse angeordnet finden sich die Bohrungen, welche die Ladung aufnehmen.

Beim heutigen Sportschiessen mit dem Perkussionsrevolver wird zusätzlich ein "Zwischenmittel" zwischen Pulver und Kugel gesetzt und die Kugel nach dem Einpressen in die Trommel noch auf ihrer noch sichtbaren Seite gefettet.

Beim Laden des Perkussionsrevolvers gilt es als gut, wenn die Kugeln zum einen in allen Kammern mit möglichst gleichmäßiger Tiefe gesetzt werden, zum anderen sollten die Kugeln so weit vorne in der Trommel sitzen, wie möglich. Dadurch soll erreicht werden, daß die Kugel vor dem Einschneiden in das Feld-Zug-Profil des Laufes möglichst wenig Freiflug hat.

Da es mit den alten Ordonnanzladungen zwar ordentlich kracht, aber auch meist stärker streut, wird beim Sportschiessen oft aus Gründen der Präzision mit recht wenig Pulver geschossen, nämlich 1 bis 1,5 gramm (15 bis 20 grain) bei einem .44er. Dabei tritt dann das Problem auf, daß die beiden Ideale "wenig Pulver" und "Kugeln weit vorne setzen" sich nicht recht vereinbaren lassen. Je weniger Pulver in der Kammer ist, desto weiter muß man nämlich die Kugel nach hineinschieben, bevor sie auf dem Pulver zu sitzen kommt.

Die Ladung eines Perkussionsrevolvers beim sportlichen Schiessen sieht also so aus, wie in dem Schnittbild oben ersichtlich: (von hinten nach vorne):

1 Zündhütchen,
2 Pulver,
3 Gries oder Filz,
4 Kugel
5 Fett.

Um beim Laden mit wenig Pulver die Kugel dennoch möglichst weit vorne in der Trommel plazieren zu können, wird die Trommel nach dem Einfüllen des Pulvers mit einem Filzstopfen oder mit hartem Gries aufgefüllt. Beide Methoden haben ihre Vor-und Nachteile. Beim Gries läßt sich eine Füllung einfach in eine Bohrung der Trommel hineinschütten. Die Filzstopfen müssen in die Bohrung hineingedrückt werden, was vor allem bei einer schon verschmauchten Trommel ein wenig Übung erfordert. Dem Gries wird dagegen nachgesagt, es schleife mit der Zeit das Feld-Zug-Profil des Laufes ab. In der Tat gibt es Schützen, die nach vielen Jahren Training und Wettkampf eine leichte Aufrauhung am Anfang des Laufes bemerkt haben. Letzten Endes ist es Geschmackssache, ob man mit Gries oder den handelsüblichen Filzstopfen auffüllt.

Schließlich kommt auf die Ladung vor der Kugel noch eine Portion Fett. Hierbei muss man darauf achten, entweder ein recht festes, oder ein sehr zähes Fett zu nehmen. Andernfalls fällt das meiste von den noch nicht abgeschossenen Kugeln beim ersten Schuss herunter. Manche Schützen fetten deshalb jede Kugel erst unmittelbar vor dem Schuss ein. Abgesehen davon, daß man bei einem geladenen Revolver nicht vor der Kugel "herumfuhrwerken" sollte, auch wenn es seitlich vom Lauf ist, ist das eigentlich auch kein "richtiges" Revolverschiessen mehr. Der Revolver zeichnet sich schließlich dadurch aus, daß er nach dem Laden fünf oder sechs mal hintereinander abgefeuert werden kann, ohne daß noch "handwerkliche Eingriffe" erforderlich sind. Ein Fett, von dem einiges an den Kugeln auch nach der Erschütterung durch die vorangehenden Schüsse hängen bleibt, genügt vollauf. Gefettet wird, damit die Verbrennungsrückstände des Schwarzpulvers im Lauf weich und geschmeidig bleiben. Würde man nicht fetten, würde der Lauf schon nach einigen Schüssen stark verschmaucht sein. Mit Fett hingegen bleiben die Züge lange genug frei, um einen Wettkampf bestreiten zu können, ohne zwischen den Ladungen je einer Trommel den Lauf sauber zu wischen.

Alles, was schmiert, hilft. Es gibt recht abenteuerliche Mischungen, die als Schmierung verwendet werden, zum Besipiel Mischungen von Hautcreme und Bienenwachs. Ich selbst habe neben käuflichen Geschossfetten der Einfachheit halber zum Beispiel Wagenfett verwendet. Wer das Fett nicht mühselig von Hand mit einem Holzsspatel auf die Kugeln schmieren will, bedient sich einer Einwegspritze oder einer "historisch angehauchten" Fettspritze aus Messing.

Beim Laden des Perkussionsrevolvers gibt es zwei Vorgehensweisen, nämlich das Laden mit eingebauter Trommel unter Verwendung der am Revolver angebrachten Presse oder das Laden der ausgebauten Trommel mittels einer externen Ladepresse. Das Laden mit einer zusätzlichen Ladepresse bietet den Vorteil, daß die Kugeln durch den eingebauten und einstellbaren Anschlag der Presse in allen Trommelbohrungen exakt in der gleichen Höhe sitzen. Allerdings ist das Laden mit einer externen Presse nur in Deutschland üblich. Nach dem internationalen Regelment muß mit dem am Revolver befindlichen Ladehebel geladen werden.

 

Rechtliches
Erwerb und Besitz eines Perkussionsrevolvers bedarf der behördlichen Erlaubnis. Diese wird bei Vorliegen der erforderlichen Voraussetzungen durch die Sportschützen-Waffenbesitzkarte nach § 14 Absatz 4 des Waffengesetzes erteilt. Dieses Erlaubnisdokument wird allgemein auch als "gelbe WBK" bezeichnet. Außerdem sind der Erwerb, Besitz und Umgang mit Treibladungsmitteln, im vorliegenden Fall Schwarzpulver, gleichfalls erlaubnispflichtig; eine Sprengstofferlaubnis nach § 27 des Sprengstoffgesetzes ist erforderlich.