Schwarzpulverschiessen

Die Schießkunst mit Pulver und Blei

Wahrscheinlich jeder, in der einmal einen Schwarzpulverschützen bei der "Arbeit" beobachtet hat, wird sich gedacht haben, daß das ganze ganz schön sei, aber auch mit einem Haufen Arbeit verbunden. Schwarzpulverschützen pflegen einen Werkzeugekasten auszupacken, in welchem die Utensilien untergebracht sind, die für das Schießen benötigt werden. Manche schauen gerne zu, schrecken aber zurück, weil der Eindruck entsteht, als sei das Schießen mit dem Vorderlader mehr Müh' und Plag' als Freude. Das Sportschießen sollte doch möglichst nicht in Arbeit ausarten, so ein häufig zu hörender Einwand. 

Es ist schon richtig: Das Laden der Waffe mag im Vergleich zu modernen Patronenwaffen umständlich erscheinen. Die sauren Rückstände des Schwarzpulvers putzt man probaterweise sogleich nach dem Schiessen weg, damit das Schießgerät nicht Rost ansetzt. Das verliert aber alles an Bedeutung, wenn es irgendwann so weit ist: Der erste Schuss aus einer Vorderlader-Büchse oder einem Perkussionsrevolver ist gemacht und das Schwarzpulver-Virus hat den Schützen infiziert.

Auch kann das Reinigen eines Vorderladers durchaus leicht gehen: Pflasterkugeln führen zu keiner Verbleiung und die Pulver-Rückstände lösen sich, ob man es glaubt oder nicht, am besten in heißem Spülwasser auf. Natürlich trocknet und ölt man das hinterher.

Hat man das erste oder zweitemal selbst eine solch altertümlich wirkende Waffe in der Hand gehabt, ist es schnell so weit: die faszinierende Welt des Schießens mit Schwarzpulver und Blei, die Verwendung antiker Waffen, wenngleich auch in Form moderner Kopien, läßt einen nicht mehr los. Das Schwarzpulverschießen ist beim Deutschen Schützenbund seit vielen Jahren mit verschiedenen Disziplinen vertreten. Jedes Jahr werden auch von verschiedenen Vereinen Schwarzpulver-Wettbewerbe durchgeführt. Bei all diesen Wettbewerben lebt die alte Schießkunst mit Pulver und Blei wieder auf und die unzähligen Möglichkeiten und Kombinationen von Waffen, Pulversorten und Geschossen bieten neben der sportlichen Konkurrenz einen nicht endenwollenden Gesprächsstoff für alle Beteiligten.

Interessant ist für viele die Erfahrung, daß das was sie vorher abgeschreckt hatte, nämlich die " Arbeit " gerade einen besonderen Reiz beim Schwarzpulverschießen ausmacht. Neben den verschiedenen Tips über Pulversorten, Zündhütchen, Mischungen für Geschoßblei, Geschoßpflaster, Geschoßfett und anderes werden auch alle möglichen Erkenntnisse über das richtige oder falsche Putzen sowie auch verschiedene historische Details über die Herkunft der verwendeten antiken Waffen ausgetauscht. Beim Schwarzpulverschießen kommt man also nebenbei in verstärktem Maße in Kontakt zu anderen Schützen, und es bietet sich schnell die Gelegenheit, neue Freunde kennenzulernen. Neben dem technischen und historischen Reiz bietet das Schwarzpulverschießen also auch ein erhöhtes Maß an menschlichen Miteinander und Geselligkeit.

Wer aber glaubt, das sei schon alles, und auf die Ergebnisse käme es nicht so sehr an, der täuscht sich. Die Ergebnisse, die bei den Deutschen Meisterschaften mit Schwarzpulver-Waffen erzielt werden, brauchen sich vor denjenigen mit modernen Waffen nicht zu verstecken. Der Deutsche Meister mit dem Perkussionsrevolver für das Jahr 1998 erzielte 143 Ringe, und das, obwohl beim Schwarzpulverschießen die angeschossenen Ringe nur dann "nach oben" gezählt werden, wenn die Mitte des Einschusses auf dem Ring liegt. Bei Schießwettbewerben mit der Perkussionspistole, bei denen erfahrene Schützen teilnehmen, werden gelegentlich " volle Ringzahlen " erreicht, was bedeutet, daß ein Schütze mit 5 Schüssen 50 Ringe erzielt. Perkussionspistolen gehören damit zu den präzisesten Schußwaffen überhaupt.Wer mit Vorderladern schießen will, muß mit Schwarzpulver umgehen. Jeder der dies tun will, benötigt die behördliche Erlaubnis in Form eines sogenannten " Pulverscheins". Zu den Aktivitäten, die in unserem Verein stattfinden, gehört auch die regelmäßige Durchführung von Lehrgängen, in denen die für den Erwerb des Pulverscheins erforderliche Fachkunde vermittelt wird.

Das Vorderladerschießen umfaßt einen recht weiten Bereich: Steinschloßpistole, Steinschloßgewehr, Perkussionspistole, Perkussionsgewehr, Steinschloß- und Perkussionsflinte, Vorderlader-Dienstgewehr und Perkussionsrevolver. Einige Vereine (so der Schützenverein Königshofen in 65527 Niedernhausen) veranstalten Schießwettbewerbe für Zündnadel-Gewehre; einige Vereine schreiben Wettkämpfe für Schwarzpulver-Patronenwaffen aus (z. B. für Trapdoor, Rolling-Block und Sharps-Fallblockgewehre). Jede Gattung hat ihre Eigenheiten und Ladeweise. Am verbreitetesten in Deutschland dürften Perkussionspistole,. Perkussionsgewehr und Perkussionsrevolver sein. Was das alles ist ? Schau im historischen Abriß Entwicklung der Vorderlader nach !

Was liegt bei einem so historien-trächtigen Sport wie dem Schwarzpulverschießen näher, als sich all der Geschichten aus der Zeit von Daniel Boone und Chingachgook zu erinnern ?

Um in den historischen Zusammenhang einzusteigen, bietet unsere Seite mit einem bebilderten Abriss über die Entwicklung der Vorderlader und der Perkussionsrevolver weitere Informationen, bei deren Lektüre wir viel Spass wünschen. Man muss dafür nur in der Navigation oder hier auf "Entwicklung der Vorderlader" oder "Der Perkussionsrevolver" klicken.